Höhensysteme
in Deutschland
DHHN2016, DHHN92, SNN76/HN76 und die älteren NN-Systeme (DHHN12, DHHN85) — Deutschland hat eine besonders komplexe Höhenhistorie, geprägt durch die Teilung 1949–1990.
Sowohl DHHN92 als auch DHHN2016 verwenden die Bezeichnung „NHN“ — eine Verwechslung kann mehrere Zentimeter Abweichung verursachen, ohne dass der Fehler im Zahlenwert sichtbar ist.
Lesen Sie, warum GNSS-Höhen ~36–50 m falsch sind ↓, oder sehen Sie den Unterschied der Modelle auf unserer interaktiven Karte ↓
Warum sind GNSS-Höhen in Deutschland ~36–50 m falsch?
Ein GNSS-Empfänger liefert die Höhe über dem Ellipsoid — einem mathematischen Modell der Erdgestalt. GRS80 ist das in ETRS89 verwendete Ellipsoid. Aber wir bewegen uns nicht auf einem Ellipsoid — wir bewegen uns auf dem Quasigeoid.
Das Quasigeoid ist die Fläche, die dem mittleren Meeresniveau entspricht. Es ist das, was wir intuitiv als „Null Meter“ verstehen. DHHN2016 ist am Quasigeoid verankert — nicht am Ellipsoid.
In Deutschland liegt das Ellipsoid ca. 36–50 m über dem Quasigeoid (die Höhenanomalie ζ variiert geographisch: am niedrigsten im Nordwesten an der Nordsee, am höchsten in den Alpen). Eine GNSS-Höhe von 85 m entspricht also ca. 35–49 m NHN, je nach Standort. Wird die Ellipsoidhöhe direkt als Kote verwendet, ist das Ergebnis völlig falsch.
Die Umrechnung von GNSS-Ellipsoidhöhe zu NHN erfolgt über die Formel H = h − ζ, wobei ζ die Höhenanomalie (Quasigeoidundulation) ist. In Deutschland verwendet man das offizielle Quasigeoidmodell GCG2016 des BKG.
Wir können erkennen, ob Ihre Höhen als Ellipsoidhöhe angegeben sind, und sie in NHN (DHHN2016) umrechnen. Laden Sie einfach Ihre Datei hoch. Hier ausprobieren →
Den Unterschied der Modelle auf der Karte sehen
Der Unterschied zwischen zwei Quasigeoidmodellen ist nicht überall gleich. Fahren Sie mit der Maus über die Karte und sehen Sie den lokalen Unterschied in Zentimetern.
Blau = Modell A ist höher als B. Rot = B ist höher als A. Das bedeutet, dass dieselbe GNSS-Messung je nach verwendetem Quasigeoidmodell unterschiedliche NHN-Koten ergibt. Wann gibt es Probleme? ↓
Die Farben werden für die gesamte Gitterdatei angezeigt — auch über dem Meer. Das Quasigeoid existiert über Wasser, die Werte sind aber nur an Land relevant.
Der Vergleich GCG2016 ↔ EGM2008 zeigt den systematischen Unterschied zwischen dem amtlichen deutschen Quasigeoid und dem globalen EGM2008-Modell (typisch 15–30 cm) — genau der Fehler, der entsteht, wenn GNSS- oder Drohnendaten mit einem globalen Geoid statt des GCG berechnet werden.
Wann geht es schief?
Höhenfehler sind schwer zu erkennen — aber die Folgen sind groß.
Ein Fehler von 6–16 cm reicht aus, um Gefälleverhältnisse in der Entwässerung umzukehren, Geländemodelle zu verfälschen und die Maschinensteuerung zu stören. Zur Geschichte der Systeme ↓
Sowohl DHHN92 als auch DHHN2016 verwenden die Bezeichnung „m ü. NHN“. Auf einer Zeichnung oder in einer Datei ist der Unterschied nicht am Zahlenwert erkennbar. Prüfen Sie immer die Datenquelle und den Zeitraum der Vermessung.
| System | Unterschied zu DHHN2016 | Folge bei Verwechslung |
|---|---|---|
| DHHN2016 | Referenz — 0 m | korrekte Referenz |
| DHHN92 (NHN) | −2 bis +1 cm (lokal ±3 cm) | Abfluss-/Nivellementfehler |
| SNN76/HN76 (Ost) | 13–16 cm (NHN höher als HN) | Entwässerung, Gebäudeanschluss |
| DHHN85/NN (West) | 6–16 cm (höhen- und geländeabhängig) | Kanalisation, Geländemodell |
| GCG2016 vs. GCG2011 | typ. wenige cm, lokal größer | GNSS-Abweichungen |
| Ellipsoidhöhe (rohe GNSS-Höhe) | ca. 36–50 m in DE | völlig unbrauchbare Daten |
| EGM2008 (globales Modell) | typ. 2–5 cm gegenüber GCG2016 | geringe Genauigkeit |
Was passiert, wenn es schiefgeht?
Fehler in Höhensystemen sind kein theoretisches Problem. Hier sind bekannte Beispiele aus der deutschen Praxis.
Verwechslung NN und NHN bei Bauprojekten
In ganz Deutschland finden sich noch Bebauungspläne, Baugenehmigungen und Umweltauflagen aus der Zeit vor ca. 2000–2005, die Koten in „m ü. NN“ (DHHN12 oder DHHN85) angeben. Die Umstellung auf NHN (DHHN92 bzw. DHHN2016) bewirkt Höhenänderungen von 6–16 cm im Flachland und bis zu 59 cm im Hochgebirge (Zugspitze). In der Kanalisation und Entwässerung reichen bereits 6 cm, um Gefälleverhältnisse umzukehren.
Quelle: BFR Vermessung, Handreichung DHHN2016
Ost-West-Verwechslung: HN76 vs. NHN
In den neuen Bundesländern existieren noch große Datenbestände in SNN76/HN76 (Kronstadt-Pegel). Der Unterschied zu NHN (Amsterdam-Pegel) beträgt typischerweise 13–16 cm, wobei die HN76-Koten numerisch kleiner sind als die NHN-Koten. Wird ein HN76-Wert als NHN gelesen, wird der Punkt systematisch zu tief angesetzt — mit schwerwiegenden Folgen in Entwässerungsprojekten, bei Gebäudeanschlüssen und in Geländemodellen.
Quelle: AdV, Vermessungsbüro Hartmann (Magdeburg)
Trimble und Leica — versionsabhängiges Quasigeoid
GCG2016 wurde in Trimble Business Center (TBC) ab Version 2023.10 hinzugefügt. Ältere Versionen verwenden GCG2011, das auf DHHN92 zugeschnitten ist. Das BKG stellt GCG2016 im Leica-Format (.GEM) bereit — für Leica-Viva-Instrumente muss die Datei manuell auf die Speicherkarte kopiert werden (Data\GPS\Geoid). Das bedeutet, dass zwei Instrumente auf derselben Baustelle unterschiedliche Koten liefern können, wenn sie verschiedene Quasigeoidversionen verwenden.
Bergbaugebiete: Im Ruhrgebiet, in der Lausitz und im Saarland können lokale Bergsenkungen (historisch bis zu mehrere Meter, heute abnehmend) dazu führen, dass auch transformierte Koten von den tatsächlichen Höhen abweichen. Prüfen Sie stets im AFIS, ob ein Festpunkt als „transformiert“ oder „neu gemessen“ geführt wird.
Sind Ihre Koten neu gemessen oder transformiert?
Nicht alle NHN-Koten sind gleich. In Deutschland unterscheidet man zwischen:
Neu gemessene Koten stammen aus der Neuvermessung 2006–2012 (Präzisionsnivellement + GNSS) und dem aktuellen Quasigeoidmodell GCG2016. Sie haben die höchste Genauigkeit.
Transformierte Koten sind ältere DHHN92-, DHHN85- oder HN76-Höhen, die über HOETRA2016 oder ähnliche Werkzeuge in DHHN2016 umgerechnet wurden. In Gebieten mit bekannter Bergsenkung (Ruhrgebiet, Lausitz) oder instabilem Untergrund können transformierte Koten deutlich von der tatsächlichen Höhe abweichen.
Wenn Sie eine Kote in NHN erhalten, prüfen Sie, ob sie neu gemessen oder transformiert ist. Transformierte Koten aus älteren Festpunkten können mehrere Zentimeter von einer Neumessung abweichen — genug, um Entwässerungs- und Kanalplanung zu beeinträchtigen. Prüfen Sie im amtlichen Festpunktinformationssystem (AFIS), ob die Kote als transformiert gekennzeichnet ist.
Von Normalnull zu Normalhöhennull
Deutschlands Höhensysteme sind über mehr als 150 Jahre entstanden. Die politische Teilung 1949–1990 führte zu zwei parallelen Systemen mit unterschiedlichen Nullpunkten — Amsterdam im Westen, Kronstadt im Osten.
Normal-Höhenpunkt 1879 (Preußisches Normalnull)
1879 wurde der „Normal-Höhenpunkt für das Königreich Preußen“ an der Berliner Sternwarte festgelegt: 37,000 m über dem mittleren Meeresspiegel in Amsterdam (NAP). Die Nullfläche hieß „Normalnull“ (NN). 1912 wurde das Referenzzeichen nach Hoppegarten bei Müncheberg verlegt.
Die Bezeichnung „m ü. NN“ blieb bis Ende der 1990er Jahre in Gebrauch und findet sich noch in zahlreichen Bebauungsplänen, Baugenehmigungen und Infrastrukturdaten.
DHHN12 und DHHN85 — Westdeutschland
DHHN12 (EPSG:7699): Erstes gesamtdeutsches Höhennetz, basierend auf Messungen bis 1912, Ausgleichung 1928. Normalorthometrische Höhen („m ü. NN“). DHHN85 (EPSG:5784): Neuvermessung 1980–1985, nur Westdeutschland. Ortometrische Höhen (nach Helmert), ebenfalls „m ü. NN“.
Die Unterschiede zwischen DHHN12 und DHHN85 sind klein (wenige mm bis cm). Beide verwenden den Amsterdam-Pegel (NAP) als Nullniveau. DHHN12 nutzt normalorthometrische Höhen, DHHN85 orthometrische Höhen nach Helmert — der Wechsel zu echten Normalhöhen erfolgt erst mit DHHN92.
SNN76/HN76 — DDR-System (Ost)
In der DDR wurde ein eigenes Höhensystem eingeführt: SNN76 (Staatliches Nivellementnetz 1976). Nullniveau: Kronstadt-Pegel bei Sankt Petersburg (Ostsee). Höhentyp: Normalhöhen („m ü. HN“, Höhennull 1976).
Der Unterschied zwischen Amsterdam-Pegel (West) und Kronstadt-Pegel (Ost) beträgt 13–16 cm, wobei die HN76-Koten für denselben physischen Punkt numerisch kleiner sind als die NN-/NHN-Koten (der Kronstadt-Pegel liegt rund 14 cm über dem Amsterdamer NAP). Wird ein HN76-Wert unbesehen als NHN gelesen, liegt der Punkt in Wirklichkeit ca. 13–16 cm höher als angenommen. Die Differenz variiert geographisch und erfordert für eine korrekte Transformation ein Raster-/Gittermodell.
Betroffene Bundesländer: Berlin (Ost), Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen.
DHHN92 — Erstes gesamtdeutsches System (NHN)
Nach der Wiedervereinigung entstand DHHN92 als erstes gesamtdeutsches Höhennetz. Nullniveau: Amsterdam-Pegel (NAP) über UELN. Höhentyp: Normalhöhen — der Wechsel von normalorthometrischen Höhen zu Normalhöhen markiert den Beginn der Bezeichnung „NHN“ (Normalhöhennull) anstelle von „NN“.
Der Übergang von NN zu NHN bewirkte Kotenänderungen von 0,06 bis 0,16 m im Flachland (Westdeutschland) und bis zu 0,59 m im Hochgebirge (Zugspitze). DHHN92 war von 2000 bis 2016 das offizielle System in allen 16 Bundesländern.
DHHN2016 — aktuelles nationales System
Basierend auf einer vollständigen Neuvermessung 2006–2012 mit ca. 9.000 km Präzisionsnivellement, GNSS auf ca. 250 Geodätischen Grundnetzpunkten und neuen Schweremessungen. Offiziell eingeführt am 30. Juni 2017 in allen 16 Bundesländern.
DHHN2016 ist Teil des EVRS (European Vertical Reference System) und wird über ca. 72.000 physische Höhenfestpunkte realisiert, die von den Landesvermessungsämtern gepflegt werden. Zugeordnetes Quasigeoidmodell: GCG2016 (BKG, Open Data, PROJ CDN: de_bkg_gcg2016.tif).
Die Dreifach-Kollision im Osten
Auf ein und denselben Punkt in Ostdeutschland können drei Höhensysteme zutreffen: SNN76/HN76 (Kronstadt-Pegel, Normalhöhen), DHHN92/NHN (Amsterdam) und DHHN2016/NHN (aktuell).
Wer HN76-Höhen unkorrigiert in einem DHHN2016-Projekt verwendet, akkumuliert bis zu ca. 19 cm Fehler (Kronstadt→Amsterdam-Differenz plus Realisierungsunterschiede). Prüfen Sie bei ostdeutschen Bestandsdaten immer, welches der drei Systeme gemeint ist — die Angabe „NHN“ allein reicht nicht.
Häufig gestellte Fragen zu Höhensystemen
Was ist DHHN2016?
DHHN2016 (Deutsches Haupthöhennetz 2016) ist Deutschlands aktuelles amtliches Höhensystem, eingeführt am 30. Juni 2017 in allen 16 Bundesländern. Es gibt Höhen als Normalhöhen über dem Quasigeoid an („m ü. NHN“) und hat die EPSG-Kode 7837. DHHN2016 löste DHHN92 als bundesweite Referenz ab.
Was ist der Unterschied zwischen NN und NHN?
NN (Normalnull) war die alte westdeutsche Bezeichnung, verankert am Amsterdam-Pegel und in Gebrauch bis in die 1990er-Jahre — sie taucht noch in älteren Bebauungsplänen und Baugenehmigungen auf. NHN (Normalhöhennull) ist die aktuelle Bezeichnung, die sowohl DHHN92 als auch DHHN2016 tragen — beide heißen also „NHN“, obwohl sie um −2 bis +1 cm (lokal bis ±3 cm) voneinander abweichen. Im Osten kommt zusätzlich SNN76/HN76 (Kronstadt-Pegel) hinzu, das 13–16 cm von NHN abweicht.
Warum sind meine GNSS-Höhen 36–50 Meter zu hoch?
Ein GNSS-Empfänger misst die Ellipsoidhöhe (h) über dem GRS80-Ellipsoid, nicht die Kote über dem Meeresniveau. In Deutschland liegt das Quasigeoid 36–50 m unter dem Ellipsoid (Höhenanomalie ζ, am niedrigsten im Nordwesten, am höchsten in den Alpen). Die richtige Kote ergibt sich aus H = h − ζ. Wird stattdessen ein globales Modell wie EGM2008 statt des amtlichen GCG2016 verwendet, entsteht ein systematischer Fehler von einigen Zentimetern.
DHHN92 und DHHN2016 heißen beide NHN — was ist der Unterschied?
Es handelt sich um zwei verschiedene Realisierungen desselben Höhensystems mit je eigenem Quasigeoidmodell. DHHN92 (EPSG:5783) basiert auf der Ausgleichung von 1992 und dem Modell GCG2011. DHHN2016 (EPSG:7837) beruht auf der Neuvermessung 2006–2012 mit rund 9.000 km Präzisionsnivellement und dem Modell GCG2016. Der Unterschied liegt meist bei −2 bis +1 cm, lokal bis zu ±3 cm — genug, um in der Entwässerungsplanung Probleme zu verursachen.
Welches Höhensystem soll ich in Deutschland verwenden?
Verwenden Sie DHHN2016 (NHN) für alle neuen Projekte — es ist seit 2017 die amtliche Referenz für Maschinensteuerung, Volumenberechnung und Bauvermessung. Ältere Bestandsdaten in DHHN92 oder, in den neuen Bundesländern, in SNN76/HN76 sollten mit den offiziellen Werkzeugen (HOETRA2016) nach DHHN2016 transformiert werden — besonders in Gebieten mit bekannter Bergsenkung.