DHHN2016, DHHN92, HN76 und die deutsche Höhenreferenz

Höhensysteme
in Deutschland

DHHN2016, DHHN92, SNN76/HN76 und die älteren NN-Systeme (DHHN12, DHHN85) — Deutschland hat eine besonders komplexe Höhenhistorie, geprägt durch die Teilung 1949–1990.

Sowohl DHHN92 als auch DHHN2016 verwenden die Bezeichnung „NHN“ — eine Verwechslung kann mehrere Zentimeter Abweichung verursachen, ohne dass der Fehler im Zahlenwert sichtbar ist.

Lesen Sie, warum GNSS-Höhen etwa 34–50 m von NHN-Höhen abweichen ↓, oder sehen Sie den Unterschied der Modelle auf unserer interaktiven Karte ↓

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Auf der Karte anzeigenWir analysieren immer die Koordinaten selbst — auch wenn die Datei einen EPSG-Code hat. Stimmen sie nicht überein, sagen wir Bescheid
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Kurz gesagt: DHHN2016 (EPSG:7837) ist Deutschlands amtliches Höhensystem — die Normalhöhe (H) über dem Quasigeoid, angegeben als „m ü. NHN“. Eine GNSS-Messung liefert stattdessen die ellipsoidische Höhe (h), die 34–50 m höher liegt: laut BKG „34 m im Bereich der Ostsee und 50 m in den Alpen“. Für eine GNSS-Höhe ist die richtige Kote H = h − ζ, wobei ζ die Höhenanomalie aus dem Quasigeoidmodell GCG2016 ist. Die beiden gehören zusammen, sind aber nicht dasselbe: DHHN2016 ist das Höhennetz selbst, realisiert über rund 30.000 km Nivellement und 72 Datumspunkte — GCG2016 ist das Modell, das den Weg von der GNSS-Ellipsoidhöhe in dieses Netz öffnet. Eine nivellierte Kote braucht GCG2016 gar nicht. Die eigentliche Falle: auch DHHN92 (EPSG:5783) trägt die Bezeichnung NHN — eine Verwechslung kostet mehrere Zentimeter, ohne dass man es der Zahl ansieht.

Warum weichen GNSS-Höhen in Deutschland um ~34–50 m von NHN ab?

Ein GNSS-Empfänger liefert die Höhe über dem Ellipsoid — einem mathematischen Modell der Erdgestalt. GRS80 ist das in ETRS89 verwendete Ellipsoid. Aber wir bewegen uns nicht auf einem Ellipsoid — wir bewegen uns auf dem Quasigeoid.

Das Quasigeoid ist die Fläche, die dem mittleren Meeresniveau entspricht. Es ist das, was wir intuitiv als „Null Meter“ verstehen. DHHN2016 ist am Quasigeoid verankert — nicht am Ellipsoid.

Meer Quasigeoid Erdoberfläche Ellipsoid h — Ellipsoidhöhe (GNSS-Roh: ~85 m) H — NHN-Kote (die richtige Höhe) ζ — Höhenanomalie (34–50 m in Deutschland) HNHN = hGNSSN Kote = GNSS-Höhe − Höhenanomalie

In Deutschland liegt das Quasigeoid ca. 34–50 m über dem Ellipsoid — so beziffert es das BKG selbst: „Sie variiert zwischen 34 m im Bereich der Ostsee und 50 m in den Alpen.“ Die Höhenanomalie ζ steigt von Nordosten nach Südwesten an. Auf deutschem Festland liegt der niedrigste Wert im GCG2016 bei rund 35,6 m an der Ostsee bei Usedom (Rügen rund 36,3 m); die 34 m werden erst offshore in der Ostsee erreicht. Die Nordseeküste liegt mit rund 40 m im Mittelfeld. Eine GNSS-Höhe von 85 m entspricht also ca. 35–49 m NHN, je nach Standort. Wird die Ellipsoidhöhe direkt als Kote verwendet, ist das Ergebnis völlig falsch.

Die Umrechnung von GNSS-Ellipsoidhöhe zu NHN erfolgt über die Formel H = h − ζ, wobei ζ die Höhenanomalie (Quasigeoidundulation) ist. In Deutschland verwendet man das offizielle Quasigeoidmodell GCG2016 des BKG. Wichtig: ζ ist auch über kurze Strecken nicht konstant — das BKG gibt horizontale Gradienten von bis zu 10 cm pro Kilometer an. Am Alpenrand und über dem Harz haben wir im GCG2016 6–8 cm/km nachgerechnet, über der norddeutschen Tiefebene dagegen nur rund 0,7 cm/km. Auf einer großen Baustelle im Bergland kann ζ sich also messbar ändern; auf einer Baustelle bei Hamburg praktisch nicht.

Wir analysieren, ob Ihre Höhen als Ellipsoidhöhe vorliegen, und sie in NHN (DHHN2016) umrechnen. Laden Sie einfach Ihre Datei hoch. Hier ausprobieren →

EPSG:4937
Ellipsoidhöhe (rohe GNSS-Höhe)
Rohe GNSS-Höhe über dem ETRS89-Ellipsoid (GRS80). Wird als Eingabe für das Quasigeoidmodell verwendet — nicht als Kote. Die Höhenanomalie ζ beträgt in Deutschland 34–50 m.
EPSG:7837
DHHN2016 — die aktuelle Kote
Normalhöhe über dem Quasigeoid. Die aktuelle amtliche nationale Höhenreferenz — bundesweit eingeführt am 30. Juni 2017. Bezeichnung: „m ü. NHN“. Basiert auf der Neuvermessung 2006–2012 und dem Quasigeoidmodell GCG2016.
EPSG:5783
DHHN92 — Vorgänger (ebenfalls NHN)
Erstes gesamtdeutsches Höhensystem nach der Wiedervereinigung. Ebenfalls Normalhöhen („m ü. NHN“), aber basierend auf der Ausgleichung 1992 — Unterschied zu DHHN2016 großräumig ca. ± 3 cm (AdV), in Bodenbewegungsgebieten mehr. Umgerechnet wird mit dem amtlichen Modell HOETRA2016.
EPSG:5785
SNN76/HN76 — DDR-System (Ost)
Älteres Höhensystem der DDR. Nullniveau: Kronstadt-Pegel (Ostsee). Normalhöhen („m ü. HN“). Unterschied zum NHN (Amsterdam) typischerweise 12–16 cm — die HN76-Werte sind für denselben Punkt numerisch kleiner als die NHN-Werte. Noch in großen Datenbeständen in den neuen Bundesländern vorhanden.

Den Unterschied der Modelle auf der Karte sehen

Der Unterschied zwischen zwei Quasigeoidmodellen ist nicht überall gleich. Fahren Sie mit der Maus über die Karte und sehen Sie den lokalen Unterschied in Zentimetern.

Blau = Modell A ist höher als B. Rot = B ist höher als A. Das bedeutet, dass dieselbe GNSS-Messung je nach verwendetem Quasigeoidmodell unterschiedliche NHN-Koten ergibt. Wann gibt es Probleme? ↓

So lesen Sie die Karte

Wählen Sie ein Quasigeoidmodell, um dessen N-Wert über dem ETRS89-Ellipsoid zu sehen. Wählen Sie unter „Vergleichen mit“ ein zweites Modell, um stattdessen den Unterschied zwischen beiden anzuzeigen. Fahren Sie mit der Maus über die Karte, um den berechneten Wert an der jeweiligen Stelle abzulesen.

Probieren Sie es aus: Wählen Sie GCG2016 ohne Vergleich und fahren Sie über Ihr Gebiet — die Zahl ist die lokale Höhenanomalie ζ, die von der ellipsoidischen GNSS-Höhe abgezogen wird, um die NHN-Höhe zu erhalten (H = h − ζ). DHHN2016 führt Normalhöhen, die Bezugsfläche ist daher das Quasigeoid — ζ ist auch die Bezeichnung des BKG selbst.

Die Farben sind auf die Landfläche beschnitten: Das Quasigeoid existiert auch über Wasser, die Werte sind aber nur an Land relevant. Der Zuschnitt hat einen kleinen Überstand über die Küste hinaus, damit küstennahe Gitterzellen erhalten bleiben — und die Farbskala wird ausschließlich aus Landzellen berechnet.
Eine Feinheit am Rande: Das BKG schreibt in seiner Prosa, der Höchstwert liege „in den Alpen“. Fragt man den GCG2016 punktweise ab — auch über die Onlineberechnung des BKG selbst —, liegt der höchste Wert jedoch im südlichen Schwarzwald am Feldberg mit rund 50,2 m, während die Zugspitze mit rund 49,6 m gut einen halben Meter darunter bleibt. Beide Angaben stammen vom BKG; die Karte ist die genauere.

Der Vergleich GCG2016 ↔ EGM2008 zeigt den systematischen Unterschied zwischen dem amtlichen deutschen Quasigeoid und dem globalen EGM2008-Modell (typisch 10–30 cm, Median rund 20 cm) — genau der Fehler, der entsteht, wenn GNSS- oder Drohnendaten mit einem globalen Geoid statt des GCG berechnet werden.

Die Geoidhöhe in deutschen Städten

Die Werte sind direkt aus den Gitterdateien gemessen. N ist die Höhe des Quasigeoids über dem ETRS89-Ellipsoid am jeweiligen Punkt — der Wert, den das GNSS-Gerät abzieht, um eine Höhe zu liefern.

Stadt N über dem Ellipsoid GCG2016 − EGM2008
Berlin 39,27 m −21,3 cm
Hamburg 39,94 m −20,2 cm
München 45,65 m −9,5 cm
Köln 46,49 m −22,9 cm
Frankfurt 47,87 m −20,4 cm
Leipzig 44,04 m −18,8 cm
Stuttgart 48,24 m −12,9 cm
Rostock 38,43 m −23,1 cm

Wann geht es schief?

Höhenfehler sind schwer zu erkennen — aber die Folgen sind groß.

Ein Fehler von 6–16 cm reicht aus, um Gefälleverhältnisse in der Entwässerung umzukehren, Geländemodelle zu verfälschen und die Maschinensteuerung zu stören. Zur Geschichte der Systeme ↓

Sowohl DHHN92 als auch DHHN2016 verwenden die Bezeichnung „m ü. NHN“. Auf einer Zeichnung oder in einer Datei ist der Unterschied nicht am Zahlenwert erkennbar. Prüfen Sie immer die Datenquelle und den Zeitraum der Vermessung.

System Unterschied zu DHHN2016 Folge bei Verwechslung
DHHN2016 Referenz — 0 m korrekte Referenz
DHHN92 (NHN) ca. ± 3 cm (AdV), ± 3,3 cm im Regelfall (BFR) Abfluss-/Nivellementfehler
SNN76/HN76 (Ost) 12–16 cm (NHN höher als HN) Entwässerung, Gebäudeanschluss
DHHN85/NN (West) 6–16 cm (höhen- und geländeabhängig) Kanalisation, Geländemodell
GCG2016 vs. GCG2011 typ. wenige cm, lokal größer GNSS-Abweichungen
Ellipsoidhöhe (rohe GNSS-Höhe) ca. 34–50 m in DE völlig unbrauchbare Daten
EGM2008 (globales Modell) systematisch typ. 10–30 cm (Median rund 20 cm) mit den Modellen, wie sie ausgeliefert werden; nach Abzug des konstanten Versatzes bleiben ~2–5 cm geringe Genauigkeit

Was passiert, wenn es schiefgeht?

Fehler in Höhensystemen sind kein theoretisches Problem. Hier sind bekannte Beispiele aus der deutschen Praxis.

Verwechslung NN und NHN bei Bauprojekten

In ganz Deutschland finden sich noch Bebauungspläne, Baugenehmigungen und Umweltauflagen aus der Zeit vor ca. 2000–2005, die Koten in „m ü. NN“ (DHHN12 oder DHHN85) angeben. Die Umstellung auf NHN (DHHN92 bzw. DHHN2016) bewirkt Höhenänderungen von 6–16 cm im Flachland und bis zu 59 cm im Hochgebirge (Zugspitze). In der Kanalisation und Entwässerung reichen bereits 6 cm, um Gefälleverhältnisse umzukehren.

Quelle: BFR Vermessung, Handreichung DHHN2016

Ost-West-Verwechslung: HN76 vs. NHN

In den neuen Bundesländern existieren noch große Datenbestände in SNN76/HN76 (Kronstadt-Pegel). Der Unterschied zu NHN (Amsterdam-Pegel) beträgt typischerweise 12–16 cm, wobei die HN76-Koten numerisch kleiner sind als die NHN-Koten. Wird ein HN76-Wert als NHN gelesen, wird der Punkt systematisch zu tief angesetzt — mit schwerwiegenden Folgen in Entwässerungsprojekten, bei Gebäudeanschlüssen und in Geländemodellen.

Quelle: AdV, Vermessungsbüro Hartmann (Magdeburg)

Trimble und Leica — versionsabhängiges Quasigeoid

GCG2016 wurde in Trimble Business Center (TBC) ab Version 2023.10 hinzugefügt. Ältere Versionen verwenden GCG2011, das auf DHHN92 zugeschnitten ist. Das BKG stellt GCG2016 im Leica-Format (.GEM) bereit — für Leica-Viva-Instrumente muss die Datei manuell auf die Speicherkarte kopiert werden (Data\GPS\Geoid). Das bedeutet, dass zwei Instrumente auf derselben Baustelle unterschiedliche Koten liefern können, wenn sie verschiedene Quasigeoidversionen verwenden. Hinzu kommt ein Fallstrick, den das BKG selbst dokumentiert: In den ausgelieferten Gitterdateien steckten zwei Fehler. Im Leica-Format (*.GEM) wurde die Quasigeoidhöhe grob falsch interpoliert (Werte um 500 000 m) — behoben am 4. Januar 2024. Im Trimble-Format (*.GGF) waren die Teilgebiete Küste, Nordost, Nordwest, Süd und West zeilenweise gespiegelt gespeichert, mit Fehlern von „einigen Zentimetern bis einigen Metern“ — behoben am 2. Februar 2024. Das BKG bittet ausdrücklich darum, diese Gitter erneut herunterzuladen. Das Gitter für das Gesamtgebiet war nicht betroffen. Wer sein GCG2016-Gitter vor Februar 2024 geladen hat, sollte es also ersetzen.

Bergbaugebiete: Im Ruhrgebiet, in der Lausitz und im Saarland können Bergsenkungen dazu führen, dass Koten nach der letzten Messung nicht mehr stimmen — im Ruhrgebiet ist die Oberfläche seit 1892 stellenweise um mehr als 25 m abgesunken, und auch nach dem Ende des Steinkohlenbergbaus 2018 bewegt sie sich durch den Grundwasseranstieg weiter. Das kann dazu führen, dass auch transformierte Koten von den tatsächlichen Höhen abweichen. Prüfen Sie stets im AFIS, ob ein Festpunkt als „transformiert“ oder „neu gemessen“ geführt wird.

Sind Ihre Koten neu gemessen oder transformiert?

Nicht alle NHN-Koten sind gleich. In Deutschland unterscheidet man zwischen:

Neu gemessene Koten stammen aus der Neuvermessung 2006–2012 (Präzisionsnivellement + GNSS) und dem aktuellen Quasigeoidmodell GCG2016. Sie haben die höchste Genauigkeit.

Transformierte Koten sind ältere DHHN92-, DHHN85- oder HN76-Höhen, die über HOETRA2016 oder ähnliche Werkzeuge in DHHN2016 umgerechnet wurden. In Gebieten mit bekannter Bergsenkung (Ruhrgebiet, Lausitz) oder instabilem Untergrund können transformierte Koten deutlich von der tatsächlichen Höhe abweichen.

Wenn Sie eine Kote in NHN erhalten, prüfen Sie, ob sie neu gemessen oder transformiert ist. Transformierte Koten aus älteren Festpunkten können mehrere Zentimeter von einer Neumessung abweichen — genug, um Entwässerungs- und Kanalplanung zu beeinträchtigen. Prüfen Sie im amtlichen Festpunktinformationssystem (AFIS), ob die Kote als transformiert gekennzeichnet ist.

Von Normalnull zu Normalhöhennull

Deutschlands Höhensysteme sind über mehr als 150 Jahre entstanden. Die politische Teilung 1949–1990 führte zu zwei parallelen Systemen mit unterschiedlichen Nullpunkten — Amsterdam im Westen, Kronstadt im Osten.

1879

Normal-Höhenpunkt 1879 (Preußisches Normalnull)

1879 wurde der „Normal-Höhenpunkt für das Königreich Preußen“ an der Berliner Sternwarte festgelegt: 37,000 m über dem mittleren Meeresspiegel in Amsterdam (NAP). Die Nullfläche hieß „Normalnull“ (NN). 1912 wurde das Referenzzeichen nach Hoppegarten bei Müncheberg verlegt.

Die Bezeichnung „m ü. NN“ blieb bis Ende der 1990er Jahre in Gebrauch und findet sich noch in zahlreichen Bebauungsplänen, Baugenehmigungen und Infrastrukturdaten.

1912–1985

DHHN12 und DHHN85 — Westdeutschland

DHHN12 (EPSG:7699): Erstes gesamtdeutsches Höhennetz, aufgebaut aus Nivellements von 1912 bis 1956 in acht getrennt ausgeglichenen Netzteilen. Normalorthometrische Höhen („m ü. NN“). DHHN85 (EPSG:5784): Neuvermessung 1980–1985, nur Westdeutschland. Orthometrische Höhen (nach Helmert), ebenfalls „m ü. NN“.

Die Unterschiede zwischen DHHN12 und DHHN85 sind klein (wenige mm bis cm). Beide verwenden den Amsterdam-Pegel (NAP) als Nullniveau. DHHN12 nutzt normalorthometrische Höhen, DHHN85 orthometrische Höhen nach Helmert — der Wechsel zu echten Normalhöhen erfolgt erst mit DHHN92.

1976

SNN76/HN76 — DDR-System (Ost)

In der DDR wurde ein eigenes Höhensystem eingeführt: SNN76 (Staatliches Nivellementnetz 1976). Nullniveau: Kronstadt-Pegel bei Sankt Petersburg (Ostsee). Höhentyp: Normalhöhen („m ü. HN“, Höhennull 1976).

Der Unterschied zwischen Amsterdam-Pegel (West) und Kronstadt-Pegel (Ost) beträgt 12–16 cm, wobei die HN76-Koten für denselben physischen Punkt numerisch kleiner sind als die NN-/NHN-Koten (der Kronstadt-Pegel liegt rund 14 cm über dem Amsterdamer NAP). Wird ein HN76-Wert unbesehen als NHN gelesen, liegt der Punkt in Wirklichkeit ca. 12–16 cm höher als angenommen. Die Differenz variiert geographisch und erfordert für eine korrekte Transformation ein Raster-/Gittermodell.

Betroffene Bundesländer: Berlin (Ost), Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen.

1992

DHHN92 — Erstes gesamtdeutsches System (NHN)

Nach der Wiedervereinigung entstand DHHN92 als erstes gesamtdeutsches Höhennetz. Nullniveau: Amsterdam-Pegel (NAP) über UELN. Höhentyp: Normalhöhen — der Wechsel von normalorthometrischen Höhen zu Normalhöhen markiert den Beginn der Bezeichnung „NHN“ (Normalhöhennull) anstelle von „NN“.

Der Übergang von NN zu NHN bewirkte Kotenänderungen von 0,06 bis 0,16 m im Flachland (Westdeutschland) und bis zu 0,59 m im Hochgebirge (Zugspitze). DHHN92 war von 2000 bis 2016 das offizielle System in allen 16 Bundesländern.

2016

DHHN2016 — aktuelles nationales System

Basierend auf einer vollständigen Neuvermessung 2006–2012 mit GNSS-Messungen auf ca. 250 Geodätischen Grundnetzpunkten und neuen Schweremessungen. Offiziell eingeführt am 30. Juni 2017 in allen 16 Bundesländern.

DHHN2016 ist Teil des EVRS (European Vertical Reference System) und wird über physische Höhenfestpunkte realisiert, die von den Landesvermessungsämtern gepflegt werden. Zum europäischen Rahmen EVRF2019 sind die Unterschiede klein — das BKG gibt −0,4 bis +1,8 cm an, weil für Deutschland dieselben Messdaten in beide Rahmen eingegangen sind. Beachten Sie allerdings, dass DHHN2016 im Mean-Tide-System vorliegt, das EVRS dagegen im Zero-Tide-System. Gegenüber Dänemark beträgt der Höhendatumsunterschied nur rund 1 cm (BKG: DE +2 cm, DK +1 cm gegenüber EVRF2019). Zugeordnetes Quasigeoidmodell: GCG2016 (BKG, Open Data, PROJ CDN: de_bkg_gcg2016.tif). Davon existieren zwei Ausgaben: das originale GCG2016 und die Aktualisierung 2023, die den Höhenbezug der Ostsee an das Baltic Sea Chart Datum 2000 anpasst. Die Unterschiede betragen 2–3 cm und treten ausschließlich im Meeresbereich auf — alle Gitterzellen auf dem Festland sind unverändert. Für Landdaten spielt es also keine Rolle, welche Ausgabe verwendet wird; für Offshore-Daten in der Ostsee schon.

Die Dreifach-Kollision im Osten

Auf ein und denselben Punkt in Ostdeutschland können drei Höhensysteme zutreffen: SNN76/HN76 (Kronstadt-Pegel, Normalhöhen), DHHN92/NHN (Amsterdam) und DHHN2016/NHN (aktuell).

Wer HN76-Höhen unkorrigiert in einem DHHN2016-Projekt verwendet, akkumuliert bis zu ca. 19 cm Fehler (Kronstadt→Amsterdam-Differenz plus Realisierungsunterschiede). Prüfen Sie bei ostdeutschen Bestandsdaten immer, welches der drei Systeme gemeint ist — die Angabe „NHN“ allein reicht nicht.

Häufig gestellte Fragen zu Höhensystemen

Was ist DHHN2016?

DHHN2016 (Deutsches Haupthöhennetz 2016) ist Deutschlands aktuelles amtliches Höhensystem, eingeführt am 30. Juni 2017 in allen 16 Bundesländern. Es gibt Höhen als Normalhöhen über dem Quasigeoid an („m ü. NHN“) und hat den EPSG-Code 7837. DHHN2016 löste DHHN92 als bundesweite Referenz ab.

Was ist der Unterschied zwischen NN und NHN?

NN (Normalnull) war die alte westdeutsche Bezeichnung, verankert am Amsterdam-Pegel und in Gebrauch bis in die 1990er-Jahre — sie taucht noch in älteren Bebauungsplänen und Baugenehmigungen auf. NHN (Normalhöhennull) ist die aktuelle Bezeichnung, die sowohl DHHN92 als auch DHHN2016 tragen — beide heißen also „NHN“, obwohl sie großräumig um ca. ± 3 cm voneinander abweichen (AdV; die BFR Vermessung nennt ± 3,3 cm im Regelfall, in Bodenbewegungsgebieten mehr). Im Osten kommt zusätzlich SNN76/HN76 (Kronstadt-Pegel) hinzu, das 12–16 cm von NHN abweicht.

Warum sind meine GNSS-Höhen 34–50 Meter zu hoch?

Ein GNSS-Empfänger misst die Ellipsoidhöhe (h) über dem GRS80-Ellipsoid, nicht die Kote über dem Meeresniveau. Das BKG beziffert die Höhenbezugsfläche mit „34 m im Bereich der Ostsee und 50 m in den Alpen“. Die Höhenanomalie ζ steigt dabei von Nordosten nach Südwesten an: Im GCG2016 liegt der niedrigste Wert auf deutschem Festland bei rund 35,6 m an der Ostsee bei Usedom — die 34 m werden erst offshore in der Ostsee erreicht —, der höchste bei rund 50,2 m im südlichen Schwarzwald. Die richtige Kote ergibt sich aus H = h − ζ. Wird stattdessen ein globales Modell wie EGM2008 statt des amtlichen GCG2016 verwendet, entsteht ein systematischer Fehler von typischerweise 10–30 cm.

DHHN92 und DHHN2016 heißen beide NHN — was ist der Unterschied?

Es handelt sich um zwei verschiedene Realisierungen desselben Höhensystems mit je eigenem Quasigeoidmodell. DHHN92 (EPSG:5783) basiert auf der Ausgleichung von 1992 und dem Modell GCG2011. DHHN2016 (EPSG:7837) beruht auf der Neuvermessung des Netzes 1. Ordnung von 2006 bis 2012 und dem Modell GCG2016. Die AdV beziffert die großräumigen Unterschiede mit ca. ± 3 cm, die BFR Vermessung mit ± 3,3 cm im Regelfall — genug, um in der Entwässerungsplanung Probleme zu verursachen, und in Bodenbewegungsgebieten deutlich mehr. Umgerechnet wird mit dem amtlichen Modell HOETRA2016.

Welches Höhensystem soll ich in Deutschland verwenden?

Verwenden Sie DHHN2016 (NHN) für alle neuen Projekte — es ist seit 2017 die amtliche Referenz für Maschinensteuerung, Volumenberechnung und Bauvermessung. Ältere Bestandsdaten in DHHN92 oder, in den neuen Bundesländern, in SNN76/HN76 sollten mit den offiziellen Werkzeugen (HOETRA2016) nach DHHN2016 transformiert werden — besonders in Gebieten mit bekannter Bergsenkung.

Quellen und weiterführende Literatur

Die Zahlen zum Quasigeoid, zum DHHN2016 und zum Übergang vom DHHN92 stammen vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, von der AdV und aus den Veröffentlichungen der Landesvermessungen.

  1. Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) (2026): Nationale Referenzsysteme
    Die Quelle für das Wertespektrum der Höhenbezugsfläche: „Sie variiert zwischen 34 m im Bereich der Ostsee und 50 m in den Alpen. Die horizontalen Gradienten des Quasigeoids können Beträge bis zu 10 cm pro km annehmen.“ Ebenso: DHHN2016 als Normalhöhen im Mean-Tide-System, realisiert über 72 Datumspunkte und rund 30.000 km Nivellement, sowie der Unterschied zum europäischen EVRF2019 von −0,4 bis +1,8 cm.
  2. BKG / Geodatenzentrum (2024): Dokumentation: Quasigeoid der Bundesrepublik Deutschland — GCG2016/2023
    Genauigkeit der Höhenanomalie (< 1 cm, Alpen max. 2 cm, deutsche Ostsee 1–2 cm, Nordsee 2–6 cm) und Gitterweite 30″ × 45″. Dokumentiert außerdem den Unterschied zwischen dem originalen GCG2016 und der Aktualisierung 2023 von 2–3 cm ausschließlich im Meeresbereich sowie die beiden Bugfixes vom 04.01. und 02.02.2024 für die Leica-.GEM- und Trimble-.GGF-Gitterdateien.
  3. BKG (2026): Onlineberechnung von Quasigeoidhöhen (GCG2016)
    Die einzige amtliche punktweise GCG2016-Abfrage. Damit sind die Extremwerte auf deutschem Festland nachgeprüft: Feldberg im südlichen Schwarzwald 50,19 m gegenüber Zugspitze 49,55 m, Usedom 35,60 m, Emden 40,43 m.
  4. BFR Vermessung (Arbeitskreis Vermessung des Bundes) (2018): Handreichung DHHN2016, Version 1.0
    Beziffert die Höhenverschiebung zwischen DHHN92 und DHHN2016: „Sie kann im Regelfall in der Bundesrepublik Deutschland Werte im Bereich ± 3,3 cm annehmen“ — größere Werte nur im Hochgebirge und in bergbaulich beeinträchtigten Gebieten.
  5. Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg (LGB) (2026): Geodätischer Raumbezug
    Bestätigt die bundesweiten „+/− 3 Zentimeter“ zwischen DHHN2016 und DHHN92 und nennt für Brandenburg konkret −25 mm bis +20 mm. Gibt außerdem das GCG2016-Fehlerbudget an: 1 cm im Flachland, 2 cm in Gebirgsregionen, 5 cm im Meeresbereich.
  6. AdV / Geobasis NRW (2026): HOETRA2016 — Höhentransformation DHHN92 ↔ DHHN2016
    Die amtliche Webanwendung für die Umrechnung zwischen DHHN92 (EPSG:5783) und DHHN2016 (EPSG:7837), betrieben von Geobasis NRW im Auftrag der AdV.