Koordinatensysteme

Rechtswert oder Hochwert zuerst — der kleine Unterschied, der alles verschiebt

Ein großer Teil aller „meine Daten liegen falsch“-Fälle betrifft nicht das Koordinatensystem, sondern die vertauschte Achsenfolge. In Deutschland kommt hinzu, dass der Wechsel von Gauß-Krüger zu UTM die Reihenfolge umdreht.

1
Daten hochladenCSV, DXF, Shape oder KMZ — direkt vom Instrument, CAD oder GIS
2
Auf der Karte anzeigenDas System erkennt das Koordinatensystem automatisch — kein Raten
3
Prüfen und exportierenKontrollieren Sie, ob die Daten richtig liegen — umrechnen und Ergebnis herunterladen
Kurz gesagt: Der Systemwechsel dreht die Achsenfolge um. Gauß-Krüger (EPSG:31466–31469) ist im EPSG-Register mit X(north), Y(east) definiert — Hochwert zuerst. ETRS89/UTM (EPSG:25832/25833) ist mit (Easting, Northing) definiert — Rechtswert zuerst. Dieselben Daten, umgekehrte Reihenfolge. Die Zahlen verraten sie: Hochwert 5,24–6,12 Millionen, Rechtswert 266 000–954 000. Der Gauß-Krüger-Rechtswert trägt zusätzlich die Streifenkennziffer als erste Stelle.

Fünf Welten, fünf Reihenfolgen

  • Gauß-Krüger: EPSG definiert die Achsen als X(north), Y(east) — der Hochwert steht vorn. Der Rechtswert beginnt mit der Streifenkennziffer, etwa 3 500 123 für Streifen 3.
  • ETRS89/UTM: EPSG:25832 und 25833 sind (Easting, Northing) — der Rechtswert steht vorn. Um Verwechslungen zu vermeiden, spricht man hier von Ost- und Nordwert statt Rechts- und Hochwert.
  • Mathematik und GIS: (x, y) = (Ost, Nord). QGIS und ArcGIS erwarten meist diese Reihenfolge.
  • Dieselbe Projektion, zwei Codes: UTM Zone 32 gibt es sowohl als EPSG:25832 (Easting, Northing) als auch als EPSG:3044 „ETRS89 / UTM zone 32N (N-E)“ mit dem Nordwert zuerst — dieselbe Projektion, nur die Achsenfolge unterscheidet sie. Ebenso EPSG:3045 für Zone 33. Eine mit 3044 ausgezeichnete Datei ist also N zuerst zu lesen.
  • Geografische Koordinaten: GeoJSON verlangt [Länge, Breite], die meisten Menschen schreiben aber Breite zuerst — der Punkt landet dann im Meer vor Afrika.

Die Zahlen verraten die Reihenfolge

  • Hochwert 5 240 000–6 120 000 gegen Rechtswert 266 000–954 000. Steht die große Zahl vorn, ist die Reihenfolge N-E.
  • Ein Rechtswert mit sieben Stellen, der mit 2, 3, 4 oder 5 beginnt, ist fast immer Gauß-Krüger mit Streifenkennziffer — nicht UTM.
  • Geografisch: Deutschland liegt bei 5,9–15°O und 47,3–55,1°N. Steht 51 vor 10, ist es lat,lon.

Lassen Sie es prüfen

  • Ziehen Sie die Datei auf die Karte — koordinat.online probiert beide Reihenfolgen, erkennt die wahrscheinliche und zeigt die Lage, damit Sie vor der Abgabe gegen die Hintergrundkarte prüfen können.
  • Siehe auch CSV-Koordinaten und GeoJSON.

Häufige Fragen zur Achsenfolge

Meine CSV hat Spalten, die nur X und Y heißen — was bedeuten sie?

Das hängt vom Absender ab: ein GIS-Export meint x = Ost, ein Vermessungsexport in Gauß-Krüger-Tradition meint x = Nord. Prüfen Sie die Zahlenbereiche (Hochwert 5,24–6,12 Millionen) oder ziehen Sie die Datei auf koordinat.online.

Warum liegen meine GeoJSON-Punkte im Meer vor Afrika?

Klassischer lat/lon-Tausch: GeoJSON verlangt [Länge, Breite], die Datei ist aber [Breite, Länge] geschrieben.

Dreht der Wechsel von Gauß-Krüger zu UTM wirklich die Reihenfolge?

Im EPSG-Register ja: Gauß-Krüger ist X(north), Y(east) definiert, ETRS89/UTM dagegen (Easting, Northing). Deshalb ist es beim Umstieg nicht damit getan, die Zahlen zu transformieren — auch die Spaltenreihenfolge muss geprüft werden.

Quellen und weiterführende Literatur

Die Achsenfolge ist im EPSG-Register, beim BKG und in den Formatstandards selbst dokumentiert.

  1. IOGP / EPSG (2026): EPSG Geodetic Parameter Registry
    EPSG:31467/31468 (DHDN / 3-Grad Gauß-Krüger) sind mit X(north), Y(east) definiert, EPSG:25832/25833 (ETRS89/UTM) mit Easting, Northing — die Umkehrung im Register selbst.
  2. BKG — Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (2026): Geodätische Referenzsysteme in Deutschland
    Die amtlichen Bezugssysteme und der Übergang von DHDN/Gauß-Krüger zu ETRS89/UTM.
  3. IETF (2016): RFC 7946 — The GeoJSON Format
    Legt fest, dass GeoJSON immer [Länge, Breite] ist — Ost vor Nord.